Feldhasennachwuchs in der Eichhörnchenrettung Neuss – unsere Leni
Wir von der Eichhörnchenrettung Neuss durften im vergangenen Jahr eine ganz besondere Premiere erleben: Zum ersten Mal wurde ein Feldhasenbaby in unserer Station aufgenommen und versorgt. Dieses Ereignis möchten wir zum Anlass nehmen, um über Feldhasen im Allgemeinen aufzuklären und gleichzeitig unsere persönlichen Erfahrungen mit unserem Schützling Leni zu teilen.
Der Feldhase ist gut an seinem braun-grau melierten Fell sowie an den charakteristischen schwarzen Ohrspitzen zu erkennen. Im Gegensatz zu vielen anderen Wildtieren gehören Feldhasen zu den sogenannten Nestflüchtern. Das bedeutet, dass sie bereits vollständig entwickelt zur Welt kommen mit Fell, geöffneten Augen und voll ausgeprägten Sinnen wie Sehen, Hören und Riechen. Sie sind von Geburt an erstaunlich selbstständig.

Der Feldhase (Lepus europaeus)
Bereits ab Januar beginnt bei Feldhasen die sogenannte Setzzeit.
Die Tragezeit beträgt rund sechs Wochen, und eine Häsin kann bis zu
drei- oder viermal pro Jahr Nachwuchs.
Aus diesem Grund ist es besonders wichtig zu wissen: Sitzt ein junger Feldhase scheinbar verlassen am Wegesrand, bedeutet das in den allermeisten Fällen nicht, dass er Hilfe benötigt. Die Mutter ist tagsüber unterwegs und kehrt in der Dämmerung oder nachts zurück, um ihre Jungen zu säugen. Ein gut gemeintes Mitnehmen ist daher oft mehr Schaden als Hilfe. Feldhasen sind keine Nestbewohner, sondern von Natur aus darauf ausgelegt, allein zu verharren.

Die Mutter kommt nur selten vorbei: Die Feldhäsin besucht ihre Jungen nur ein- bis zweimal pro Tag (meist in der Dämmerung oder nachts), um sie zu säugen. Dieses Verhalten dient dazu, keine Fressfeinde auf die Sasse aufmerksam zu machen. Es ist also völlig normal, dass die Jungen stundenlang allein wirken.
Kommen wir nun zu Leni. Unser kleines Feldhasenbaby war etwa eine Woche alt, als es im vergangenen Jahr zu uns gebracht wurde. Grundsätzlich gilt: Feldhasen dürfen nicht ohne Weiteres aus der Natur entnommen werden. Rechtlich gesehen handelt es sich dabei um Wildtiere, die dem zuständigen Jagdpächter des jeweiligen Reviers zugeordnet sind. Eine unbefugte Mitnahme kann als Wilderei gelten. Deshalb muss in jedem Fall zunächst der zuständige Jagdpächter informiert und dessen Genehmigung eingeholt werden. Erst danach darf ein Feldhase offiziell in eine Auffang- oder Pflegestation gebracht werden.
In Lenis Fall verlief dieser Prozess reibungslos, sodass wir sie rechtmäßig in unser Pflegeprogramm aufnehmen durften. Die Aufzucht von Feldhasenbabys erfolgt in der Regel zweimal täglich – morgens und abends – mit spezieller Aufzuchtmilch, die per Flasche verabreicht wird. Sind die Tiere unverletzt und frei von Knochenbrüchen oder anderen schweren Beeinträchtigungen, gelten sie als vergleichsweise pflegeleicht.
Leni entwickelte sich hervorragend. Sie war sehr zutraulich, suchte aktiv Nähe und forderte Zuwendung ein, die wir ihr selbstverständlich mit viel Fürsorge und Respekt entgegengebracht haben. Gleichzeitig war es uns wichtig, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Pflege und der notwendigen Distanz zu wahren, um ihre spätere Auswilderung nicht zu gefährden.

Unsere Leni
Ein besonders schöner Aspekt bei der Pflege von Feldhasen ist die unkomplizierte Auswilderung. Sobald die Tiere ausreichend kräftig sind, können sie in geeigneten Lebensräumen wieder in die Freiheit entlassen werden – und hoppeln meist ohne Zögern davon.
Sobald die sogenannten Ohrlöffel eine ausreichende Länge erreicht haben und ein Gewicht von etwa drei Kilogramm vorliegt, ist der richtige Zeitpunkt für die Auswilderung gekommen. Für uns war Lenis Geschichte ein wertvolles Erlebnis und ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig Aufklärung, Geduld und verantwortungsbewusstes Handeln im Umgang mit Wildtieren sind.
Unsere Leni durfte im Grafenberger Wildpark im Kräutergarten in die Natur zurückkehren. Passend zur Osterzeit war sie bereits deutlich gewachsen, und die typischen schwarzen Ohrspitzen waren gut erkennbar. Bis heute hoppelt sie dort – so hoffen wir – gesund und zufrieden durch den Park.